Marc Bertram: Geschäftsführer, Trainer und Konzeptentwickler

Ein Gespräch mit Multi-Talent Marc Bertram


Hallo Marc, in der Codingschule arbeitet ihr als Geschäftsführungs-Duo, und du verantwortest die technischen Themen und auch die Inhalte der Lehre. Wann hast du dein Interesse für Technik entdeckt?

Mein Interesse für Technik habe ich bereits in der Grundschule entdeckt. Wir hatten schon früh einen Computer zu Hause, und ich fand es schon immer spannend, mich mit dem Computer und IT auseinanderzusetzen. Dabei war es schon immer „Learning by Doing“ und viel Experimentieren, Google gab es damals „leider“ noch nicht.


Seit wann arbeitest du in der Codingschule?

In der Codingschule bin ich seit 2019 als Trainer tätig. Eigentlich hatte die Codingschule nach Studierenden als Trainer:innen gesucht, aber für mich war die Kombination aus Technik und Unterrichten sehr ansprechend, also habe ich mich als Trainer beworben.

Warum hast du von einem sicheren Job in einem großen Unternehmen zu einem kleinen Startup gewechselt?

Vor der Codingschule war ich als IT-Berater im Bereich Cloud-Computing tätig. Auch wenn ich dort viele Freiräume hatte und zum Teil mitgestalten konnte, hat man ja schon einen festen Rahmen innerhalb dessen man sich bewegen darf. In der Codingschule kann man seine Ideen einbringen und realisieren. Und ein wichtiger Faktor für mich war, dass ich etwas Sinnvolles arbeiten wollte. Kindern die digitale Welt zu eröffnen oder Erwachsenen neue Karrieremöglichkeiten aufzuzeigen, ist sehr erfüllend.


Güncem und Marc
Marc (rechts) und Güncem (links)

Obwohl du als Geschäftsführer jede Menge Managementaufgaben hast, macht du auch immer noch Trainings. Du hast den Kurs zum Full Stack Professional konzipiert und führst ihn auch durch. Wie kam es dazu?

Wir haben schon länger festgestellt, dass viele Teilnehmer:innen unserer Basics Kurse einen Weg suchen, sich beruflich im Bereich IT neu zu orientieren. Leider ist dieser Weg nicht immer leicht, daher ist die Idee entstanden, einen mehrmonatigen, berufsbegleitenden Kurs zum Thema Webentwicklung anzubieten. Ein Themenfeld, das mich persönlich sehr begeistert, weil man bereits mit wenig Kenntnissen eigene Lösungen entwickeln kann.


Was lernen die Teilnehmenden in dem Kurs?

Die Full Stack Webentwicklung deckt einen großen Bereich von Technologien ab. Neben der Anwendung der JavaScript Bibliothek React und einem Backend Framework, lernen die Teilnehmenden daher auch viele allgemeine IT-Themen kennen und verfügen anschließend über ein breites Grundlagenwissen. Full Stack Entwicklung bedeutet aber nicht nur die Theorie zu kennen, sondern in erster Linie komplexe Problemstellungen mit Hilfe der Programmierung oder anderen Technologien zu lösen, eine sehr wichtige Kompetenz, die die Teilnehmenden ebenfalls durch viel praktische Anwendung in unserem Kurs lernen.


Wer sind die Teilnehmenden? Sind alle Teilnehmenden aus dem gleichen Grund in dem Kurs?

Die Teilnehmenden sind sehr durchmischt und was mich besonders freut, wir haben aktuell genauso viele Frauen wie Männer im Kurs. Einige Teilnehmenden belegen den Kurs aus reinem privatem Interesse, aber wie schon gesagt, steht für viele auch eine berufliche Veränderung im Fokus.


Ihr bietet ab April eine Weiterbildung zum Cloud Developer an. Der erste Kurs ist nur für Frauen. Wie kam diese Entscheidung? Warum braucht es einen reinen Frauenkurs?

Auf den ersten Blick erscheint das unnötig, aber wenn man sich mit Frauen, die Anfängerinnen in dem Feld sind, unterhält, merkt man, dass es viele Unsicherheiten gibt. Ich habe in meinen Kursen oft erlebt, dass sich Frauen zurückziehen, als dass sie Fragen stellen würden, während Männer selbstbewusster auftreten. In einem sog. safe space, also einer reinen Frauengruppe, gibt es weniger Hemmschwellen. Damit möchten wir auch Frauen mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung motivieren, sich technisch weiterzubilden. Hier stehen oft auf sprachliche Barrieren zusätzlich im Weg.


Codingschule und auch Codingschule junior entwickeln sich ständig weiter. Welche Visionen hast du für die beiden Bereiche?

Ich wünsche mir, dass wir möglichst viele Kinder, und ganz besonders Kids aus sozio-ökonomisch schwachen Familien mit unseren Kursen erreichen können und dass wir sie für technische Berufe begeistern können. Für die Codingschule wünsche ich mir, dass wir noch weitere Bootcamps anbieten können. Der Fachkräftemangel ist enorm, und es gibt viele talentierte Menschen, die mit Weiterbildung relativ einfach den Zugang in einer Wachstumsbranche schaffen können.


Was wünschst du dir für das Thema digitale Bildung in Deutschland?

Es gibt immer noch sehr viel Aufholbedarf, was besonders durch die Corona-Pandemie sichtbar geworden ist. Für die Schulen brauchen wir eine Entbürokratisierung bei den Fördermitteln und intensive Weiterbildung bei den Lehrkräften. Für viele kleinere und mittelständische Unternehmen gilt eigentlich das Gleiche. Auch hier müssen sich Mitarbeitende weiterbilden. Insgesamt wünsche ich mir, dass das Thema Digitalisierung als Chance und nicht als Bedrohung wahrgenommen wird.


Vielen Dank für das Gespräch Marc.